Der dritte Anlauf
https://www.rotfuchs.net/files/rotfuchs-ausgaben-pdf/2026/RF-339-06-26.pdfEntnommen: .pdf 29. Jahrgang, Nr. 339 Juni 2026 RotFuchs Tribüne für Kommunisten, Sozialisten und andere Linke Der dritte Anlauf Am 22. Juni vor 85 Jahren marschierten mehr als drei Millionen Soldaten der Wehrmacht und ihrer Verbündeten in die Sowjetunion ein – der „Fall Barbarossa“. 4000 Panzer wälzten sich über die Grenze, 2500 deutsche Flugzeuge zerstörten in wenigen Stunden Tausende sowjetischer Maschinen. Der Krieg, der in Europa am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen begonnen hatte und ab 1940 zum kontinentalen Krieg geworden war, erhielt globalen Charakter. Die Grundidee dafür hatte Adolf Hitler 16 Jahre zuvor in „Mein Kampf“ veröffentlicht, 1933 begannen die Planungen für die Ausdehnung Deutschlands. Mit dem Münchener Abkommen 1938 konnte sich Hitler von den Westmächten ermutigt fühlen, den Feldzug gegen die Sowjetunion von seinen Generälen konkret vorbereiten zu lassen. Der deutsche Imperialismus griff wie 25 Jahre zuvor nach der Weltmacht. Seine Planer bereiteten den größten Völkermord der Geschichte vor – weit über alles hinaus, was es an Vernichtungsstreben bis dahin in kolonialen Eroberungen oder im Ersten Weltkrieg gegeben hatte. 30 bis 40 Millionen Sowjetbürger sollten bis Ende 1941 durch Ermordung und Aushungerung tot sein, Millionen sollten versklavt und in die deutsche Kriegswirtschaft gezwungen werden. Der „Hungerplan“, der nach dem Staatssekretär im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft Herbert Backe benannt war, wurde nach einer Besprechung von Staatssekretären am 2. Mai 1941 in einer Aktennotiz so zusammengefaßt: „1.) Der Krieg ist nur weiterzuführen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Rußland ernährt wird. 2.) Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.“ Der Krieg gegen die Sowjetunion war kein gewöhnlicher imperialistischer Krieg. Ihr europäischer Teil sollte für deutsche Siedler freigemacht werden. Heinrich Himmler phantasierte von 400 bis 500 Jahren deutscher Siedlung mit bis zu 600 Millionen „Germanen“ dort. Sie sollten die „Spartiaten“ sein, Letten, Esten usw. die Mittelschicht der „Periöken“ bilden, die Russen dagegen die Stellung der „Heloten“ einnehmen: seßhaft, aber ohne Rechte. Die Juden sollten ausgerottet, sämtliche Führungskräfte der Sowjetmacht beseitigt, alle gefangengenommenen politischen Kommissare der Roten Armee sofort ermordet werden. An sowjetischen Kriegsgefangenen fand ein Völkermord im Völkermord statt: Von weit über fünf Millionen Gefangenen fanden 3,3 Millionen den Tod, davon mehr als zwei Millionen bis zum Frühjahr 1942. Bereits sechs bis sieben Wochen nach dem 22. Juni liefen aber die deutschen Pläne aus dem Ruder. Sie zerbrachen am sowjetischen Widerstand, die Träume von einer Weltvorherrschaft platzten. Der DDR-Historiker Dietrich Eichholtz (1930–2016) schrieb dazu: „Niemals haben sich bis dahin Politiker und Generäle derart katastrophal verkalkuliert wie Hitler und die deutsche Generalität bei ihrem Entschluß, die UdSSR ‚in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen‘ (Weisung 21 vom 18. 12. 1940).“ Diese Fehlrechnung entsprang nicht der wirren Gedankenwelt Hitlers, wie bis heute weisgemacht werden soll. Wie der Erste Weltkrieg war auch der Zweite ein Resultat wachsender Gegensätze zwischen den imperialistischen Hauptmächten, war er ein Kampf um die Neuaufteilung der Welt. Die entscheidende Frage für alle Friedenskräfte 85 Jahre nach dem 22. Juni 1941 lautet: Kann sich dieser Tag wiederholen? Die gesamte sowjetische und russische Politik seit 1945 ordnete sich dem Ziel unter, das zu verhindern. Die Antwort in diesem Jahr lautet: Eine Wiederholung ist wahrscheinlicher geworden. Und erneut steht der deutsche Imperialismus mit an der Spitze, will „Führungsmacht“ in Westeuropa werden. Er wagt es nicht, einen Alleingang gegen die Atommacht Rußland zu beginnen, will den Krieg nur zusammen mit anderen führen, ohne uns allerdings soll der Krieg auf keinen Fall stattfinden. Beim Aufteilen der Beute will Deutschland dabei sein. Also hat der dritte Anlauf zum „Platz an der Sonne“ Fahrt aufgenommen. Zahlreiche Der dritte Anlauf Äußerungen von Kanzler, Außen- und Kriegsminister zu Rußland besagen: Sie arbeiten an der nächsten gigantischen Fehlkalkulation. Und müssen daher gestoppt werden – es ist höchste Zeit! In diesem Jahr wird bundesweit an vielen Orten an den 22. Juni 1941 erinnert, u. a. am 20. Juni ab 13 Uhr vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Arnold Schöl SSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS „RotFuchs“ abonnieren einfach gemacht Für den Bezug des RF als Printausgabe genügt ein Anruf bei Rainer Behr: 030-98 38 98 30 Wolfgang Dockhorn: 030-241 26 73 oder die formlose Bestellung per E-Mail: vertrieb@rotfuchs.net
