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„Diese
Denkmäler sind für uns heilig“
25. November
2025
Befreiung vom Faschismus
DDR-Jurist Hans Bauer über
Umwidmung der Sowjet-Ehrenmale
Gespräch von Wladislaw Sankin
mit Hans Bauer
Erstveröffentlichung am 21.11.2025 auf RT
DE
Im Namen vieler ehemaligen DDR-Bürger erteilt Rechtsanwalt
Hans Bauer Überlegungen über die Umwidmung der Sowjetehrenmale eine
klare Absage. Diese Versuche grenzten an Sakrileg. Man würde damit
auch an der historischen Wahrheit über enorme Opfer der Sowjetunion
vergreifen.
Hans Bauer ist ein bekannter ostdeutscher Jurist.
Er war stellvertretender Generalstaatsanwalt in der DDR. Nach dem
Beitritt der DDR zur BRD war er viele Jahre als Rechtsanwalt tätig.
Bauer leistete Rechtshilfe u. a. für ehemalige NVA-Angehörige. Seit
2008 ist er zudem Vizepräsident des Ostdeutschen Kuratoriums von
Verbänden (OKV).
Auch mit seinen 84 Jahren ist der Jurist
nach wie vor gesellschaftlich aktiv, tritt auf Kundgebungen auf und
kommentiert als Publizist das politische Geschehen aus Perspektive
der Ostdeutschen. Korrespondent Wladislaw Sankin sprach mit Bauer
über die Pläne des Berliner Senats zur Umgestaltung sowjetischer
Ehrenmale, die an den Sieg der Roten Armee über Hitlerdeutschland
erinnern – RT DE berichtete.
Sankin: Es wird in Berlin
diskutiert, dass man die Existenz sowjetischer Ehrenmale in
Deutschland eventuell juristisch auf eine andere Grundlage stellen
müsste, umgestalten, bis hin zum Abriss. Zu dieser Diskussion sind
die russischen Vertreter gar nicht eingeladen. Haben Sie das
beobachtet?
Bauer: Ja, natürlich habe ich das, haben wir das
verfolgt. Und es erzürnt uns. Es ist unglaublich, was dort beraten
wurde. Noch dazu auch ohne russische Vertreter, auch keine
weißrussischen Vertreter dort. Also, wie man mit der Vergangenheit
umgeht, vor allen Dingen mit dem Sieg der Alliierten und vor allen
Dingen auch der Roten Armee. Diese Denkmäler, die sind für uns, und
ich spreche jetzt auch nicht nur, aber vor allen Dingen auch für die
ehemaligen DDR-Bürger, die sind so, ja, ich möchte sagen, fast
heilig. Ich bin kein Heiliger, ich bin kein Christ, aber das ist so
wichtig für uns, die Erinnerung, und vor allen Dingen auch für die
Gegenwart, für die Freundschaft, die zwischen sowjetischen,
russischen und deutschen Menschen entstanden ist, über Jahrzehnte
entstanden ist, so eng. Und diese Denkmäler sind die Symbolik
dafür.
Und dass man dort nun beginnt, ist ja nicht völlig
neu. Man hat ja nach 1990 schon einiges, also nach der Annexion der
DDR, schon einiges beseitigt, Lenin-Denkmäler, aber auch das, was
Deutschland betrifft, den Palast der Republik, also alles, was an
eine Zeit erinnert, die eine völlig andere war. Und dass man nun
versucht, auch die sowjetischen Ehrenmale Schritt für Schritt
abzubauen oder umzuwidmen, wie man heute so akademisch vornehm sagt,
umzuwidmen, andere Namen darunterzusetzen oder anders die Geschichte
darzustellen, es empört uns zutiefst. Und dagegen muss man etwas
machen.
Sankin: Wie bewerten Sie diesen Vorgang aus
juristischer Perspektive?
Bauer: Und juristisch gesehen ist
das natürlich auch, ja, es ist ein Rechtsbruch, ein
Völkerrechtsbruch. Es wurden Verträge abgeschlossen, die sowohl im
Einigungsvertrag zwischen beiden deutschen Staaten enthalten sind, im
Prinzip vom Geiste her auch der Zwei-plus-Vier-Vertrag, der also auch
hier sozusagen ein Deutschland, das friedlich ist (einfordert),
Deutschland sich auch verpflichtet hat und verpflichtet wurde.
Ja,
und natürlich auch Verträge, ja, der Kriegsgräberfürsorge. Wir
hören auch immer wieder vom russischen Botschafter, ja, wie wichtig
das ist. Ja, ich kann es nachvollziehen, wieso das so ist, aber
verstehen kann das ein Mensch mit logischem Verstand nicht, und auch
ein Jurist nicht, weil hier mehrere Verträge gebrochen werden, wenn
das so in Angriff genommen wird.
Aber allein schon diese
Aufforderung, diese Überlegungen, und ich hoffe, das wird nicht
geschehen. Es wird auch schleichend, allmählich in Angriff genommen
werden, und es ist ein, ja, Bruch von Versprechen, von Verträgen,
von dem, was auch der Bevölkerung, ich sagte, insbesondere auch der
DDR-Bevölkerung im Herzen ist, nämlich die Freundschaft zu
russischen Menschen.
Video von RT DE
Sankin:
Aber dazu, ich muss jetzt die Rolle, also sagen wir so, des
Gegenparts einnehmen und wichtigste Einwände aufzählen. Was wird
vor allem als Kritik genommen? Josef Stalin. Ja, das sind alles, also
in der Regel zur Stalin-Zeit oder kurz nach der Stalin-Zeit
entstandene Denkmäler mit entsprechender Stilistik und auch
Stalin-Zitaten. Und da Stalin auch, ich zitiere, ein Verbrecher war,
sollte man das wenigstens in dieser Hinsicht sozusagen einen anderen
Kontext setzen und so weiter. Also, können Sie diese Kritikpunkte
nachvollziehen?
Bauer: Wir wissen ja, was Josef
Wissarionowitsch Stalin geleistet hat im Großen Vaterländischen
Krieg, welche Verdienste er hat. Und zu Recht ist, ja, in den letzten
Jahren auch, also sagen wir mal, auch DDR-Jahren, auch sowjetischen
Jahren, sagen wir mal, die Rolle Stalins richtig, auch besser anders
gewürdigt worden als unmittelbar nach dieser berühmt-berüchtigten
Chruschtschow-Rede. Und da ist ein Beispiel für mich jetzt mal auch,
wie man in China mit Mao Zedong umging, die Geschichte. Die
Geschichte ist nun mal so verlaufen, und die muss man dann auch so
darstellen, wie sie war. Und mit allen Verdiensten, sicher auch mit
Problemen und Schwächen, ja. Also, insoweit ist da vieles, was
gewissermaßen auch bei uns, auch im Herzen geblieben ist, auch an
Sympathie, an Verständnis, auch für Stalin.
Sankin: Ein
anderer Punkt ist das vorherrschende Geschichtsnarrativ. Es gibt
außer ehemaligen DDR-Bürgern jetzt Bürger der BRD, die in der
Mehrheit sind, und hier pflegt man ein anderes Geschichtsbild, ein
anderes Narrativ, und dann kann man sagen, ja, die Minderheit hat
sich zu fügen. Merken Sie das?
Bauer: Ja, wissen Sie, eine
Minderheit kann man manipulieren, eine Mehrheit kann man auch
manipulieren. Und es kommt auch darauf an, wie man ein Geschichtsbild
vermittelt, auch über die EU, sodass die Menschen zum Teil gar nicht
wissen, was ist denn nun die historische Wahrheit. Es geht ja um
historische Wahrheit. Und diese historische Wahrheit wird völlig,
ja, verschleiert, verdreht, verfälscht oder gar nicht genannt. Und
insoweit ist natürlich allein die Tatsache, dass viele Menschen der
Meinung sind, ja gut, die Sowjetischen Ehrenmale müssen umgewidmet
oder vernichtet werden, ja, ist das das Ergebnis schon einer
schlimmen Politik in Deutschland, die nämlich Feindschaft und Krieg
gegen Russland predigt. Also, das ist nicht nur moralisch falsch,
sondern auch juristisch ist das nicht haltbar.
Und historisch
gesehen, also schon gleich gar nicht, ja. Und da denken wir vor allen
Dingen, und ich denke, bin überzeugt, auch viele Menschen in
Deutschland, ohne dass sie das auch immer aussprechen, ja, dass
gerade die Sowjetunion mit den 27 Millionen Toten, also das muss
Gegenwart bleiben. Das muss Warnung auch für die Zukunft sein.
Vor
allen Dingen, wo es jetzt geht, Krieg gegen Russland vorbereiten. So
ein Wahnsinn, ein Unsinn und dagegen müssen wir Widerstand leisten.
Auch juristisch. Gut, die Welt bewegt sich nicht nur nach
juristischen Gesetzen. Denn juristische Gesetze werden so gemacht,
auch wie man sie braucht, ja. Die Wahrheit setzt sich nicht über
juristische Gesetze durch, sondern eigentlich durch Verstand, durch
Vernunft der Menschen. Und diese Vernunft ist bei den deutschen
Politikern, nicht nur bei den deutschen, auch bei vielen
EU-Politikern im Moment ja völlig dahin.
Wladislaw Sankin ist
Korrespondent bei RT DE
Hans Bauer ist Vorsitzender der
Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung (GRH)
e.V. und Beiratsmitglied des Deutschen Freidenker-Verbande
--
Autor, Blogger, Rezensent,
Hobbymaler https://notruf-blog.blogspot.com/
Hans Bauer schrieb mir darauf folgende Zeilen:
Lieber Harry Popow,
vielen Dank für Ihre Zuschrift.
Wir
müssen alles tun, um die Ehrenmale zu erhalten und der Opfer in Würde
zu gedenken. Lassen Sie uns in diesem Sinne gemeinsam gegen Vergessen
und Verfälschen streiten.
Mit herzlichen Grüßen
Hans Bauer
Gesendet mit der Telekom Mail App

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